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Letzter Protest zum Abschied vom Flughafen Tempelh

Letzter Protest zum Abschied vom Flughafen Tempelhof
Montag, 27. Oktober 2008 03:00 - Von Katrin Schoelkopf

Klaus Wowereit wollte es nicht. Das steht fest. Berlins Regierender Bürgermeister, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, lehnte eine Veranstaltung zum Abschied vom Flughafen Tempelhof für alle Berliner ab.

"Eine Jubelveranstaltung" für alle würde von den "Flugbetriebsbefürwortern" als "zynisch" empfunden, lautete die Begründung aus der Senatskanzlei.
Gewiss lehnen auch "Flugbetriebsbefürworter" eine "Jubelveranstaltung" ab, einen würdigen öffentlichen Abschied aber können sie sich durchaus vorstellen. Einen letzten Versuch vor zehn Tagen von Seiten der CDU, doch noch der "Berliner Bevölkerung eine angemessene Gelegenheit zu geben, sich in großer Zahl öffentlich, würdig und kostenlos von der ,Mutter aller Flughäfen' zu verabschieden", lehnte das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen von SPD und Linke ab. Umso verärgerter reagieren die Tempelhof-Freunde nun auf die geplante abendliche Abschiedsgala (20 bis 0.30 Uhr) am 30. Oktober, die für 800 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in der Haupthalle des Flughafens Tempelhof vorbereitet wird. Mit dabei soll auch Wowereit sein.

Veranstalter ist die Flughafengesellschaft, die ursprünglich eine Abschiedsveranstaltung für alle Berliner im Sinn hatte, von Wowereit aber ausgebremst wurde und in der exklusiven Party nun den Kompromiss sah. Mangels finanzieller Unterstützung vom Senat entschloss sie sich, Sponsoren für die Finanzierung zu suchen. Formulierungen zur Sponsoring-Werbung wie "Der Betrieb auf dem geschichtsträchtigen Flughafen wird am 30.Oktober mit einer spektakulären Veranstaltung eingestellt" und geschnürte Sponsoring-Pakete mit dem Namen Platinum, Gold, Silber und Bronze für den Preis von 45 000, 12 500, 9000 und 6500 Euro, sorgten bei den "Flugbetriebsbefürwortern", darunter auch Vertretern von CDU und FDP, für Empörung.
"Unanständige Veranstaltung"

"Ich habe eine Einladung zur Party, werde aber nicht hingehen", sagt der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Klaus-Peter von Lüdeke. "Würdelos und nicht zufriedenstellend" findet es von Lüdeke, dass der Senat nichts für die Öffentlichkeit anbietet. "Vielleicht werde ich an der Demonstration am Luftbrücken-Denkmal teilnehmen."
Die CDU ist da bereits entschlossener. "Wir werden uns am Donnerstag draußen versammeln. Der Landesverband wird zur Beteiligung an der Demo aufrufen. Das wird eine große Veranstaltung", sagt Rainer Ueckert, Verkehrsexperte der CDU-Fraktion. Der Senat wäre gut beraten gewesen, wenn er etwas für alle Berliner auf die Beine gestellt hätte.
Veranstaltet wird die Demonstration am 30. Oktober, die sich gegen die "Vip-Party" und die Schließung richtet, von dem Aktionsbündnis "be-4-Tempelhof.de". Aufgerufen wird zu einem Protest mit Lichterkette am Platz der Luftbrücke. Beginn 18 Uhr, Ende 24 Uhr. Taschenlampen und Kerzen sind mitzubringen. Das Aktionsbündnis wurde Anfang dieses Jahres gegründet und setzt sich aus den Einzelinitiativen "Pro Tempelhof", "Tempelhof soll Weltkulturerbe werden" und "SPD-Wähler für den Flughafen Tempelhof" zusammen. Das Bündnis sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt als Denkmal und Flughafen mit eingeschränktem Flugbetrieb.

Unterstützt wird die Protestveranstaltung auch von einer Gruppe von Berlinern um den Verantwortlichen des Internet-Newsletters "Das Thema Tempelhof", Wolfgang Przewieslik. "Die Party halten wir für eine unanständige Veranstaltung", so Przewieslik. "Hier wird eine wichtige Infrastruktur ohne sachliche Begründung geschlossen, und die Flughafengesellschaft und ihr Aufsichtsratchef Wowereit laden zur Feier."




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