Abrissbagger im Flughafen Tempelhof

Volksbegehren über ein Weltkulturerbe Flughafen Tempelhof in Sicht.

In Tempelhof regiert der Abrissbagger. Strafanzeige gestellt.

(Berlin, 2.Juni 2009) Am 7. Juni wird über den ersten Bürgerentscheid im Bezirk Tempelhof-Schöneberg abgestimmt. Gegenstand der Abstimmung: "Das Denkmal Flughafen Tempelhof erhalten - als Weltkulturerbe schützen". Während zu diesem Termin allerdings nur Wahlberechtigte im Bezirk abstimmen können, kommt jetzt auch ein neues Volksbegehren in Sichtweite.

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de hatte am 29. April 2009 als erste Stufe rund 24.500 Unterschriften bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport eingereicht. Davon hat die Behörde 20.741 gültige Unterschriften bestätigt. Im nächsten Schritt muss nun der Senat über die Zulassung des Volksbegehrens entscheiden, damit es zur zweiten Runde der Unterschriftensammlung und nachfolgenden Abstimmung kommt.

Das "Volksbegehren für das Weltkulturerbe Flughafen Tempelhof und mehr Transparenz in der Politik“ verlangt nicht nur den denkmalgerechten Erhalt und einen Verzicht auf die Bebauung, es beinhaltet auch wesentliche Verbesserungen beim Recht auf Informationsfreiheit, Entflechtung von Politik- und Aufsichtsratsposten, Offenlegung von Nebeneinkünften und eine Haftung für Senatsmitglieder.

"Wir glauben, dass mit diesem Volksbegehren auch ein ganz großer Schritt in Sachen demokratischer Kultur gemacht wird", so Peter Martin vom Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de.

Zunächst einmal blickt das Aktionsbündnis aber gespannt auf den bezirklichen Bürgerentscheid am kommenden Sonntag.

Wir sind überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger ein klares Signal für den Erhalt "Ihres" Flughafens setzen werden.
Volker Perplies, vom Aktionsbündnis und Vertrauensmann des Bürgerbegehrens: "Kein verantwortungsbewusster Bürger kann guten Gewissens die Bebauungspläne des Senats unterstützen. Tempelhof ist ein Ort, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde. Diesen aus kurzsichtigen Interessen heraus zu zerstören, ist einfach verantwortungslos:“

Währenddessen wird im Flughafen Tempelhof historische Bausubstanz zerstört

Michael Paul, ebenfalls Aktionsbündnis und Vertrauensmann: „In Tempelhof regiert indes der Abrissbagger. Bei den Umbauarbeiten für die Messe Bread und Butter wurden offenbar trotz bestehendem Denkmalschutz großzügig Teile der historischen Bausubstanz beschädigt und zerstört.“ „Wir haben deshalb Strafantrag gestellt“, so Paul weiter.

Dokumentiert ist z. B. Beispiel u. a., die frühere Kantine im Abflugbereich. Diese wurde abgerissen, um Raum für die zukünftigen Durchgangstüren zu schaffen.

Nach Angaben der Bauherren handelte es sich nicht um denkmalschutzrelevante Gebäudeteile, da sie aus den 70er Jahren stammen. Historische Unterlagen, die dem Aktionsbündnis vorliegen zeigen allerdings, dass die Teile bereits zum ursprünglichen Gebäude gehörten.

Peter Martin, Aktionsbündnis: "Es sind eben gerade die vielen Wendungen und Irrwege der Geschichte, die das Besondere an Tempelhof ausmachen".
Ferner wurden im östlichen Teil des Gebäudes alle Büroräume entkernt und unwiederbringlich zerstört.

"Es ist zudem sehr merkwürdig, dass Baugenehmigungen, auf die jeder normale Bürger monatelang wartet, offenbar ohne sachliche Prüfung von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erteilt werden", so Peter Martin weiter.

Das Aktionsbündnis fordert die Behörde auf, umgehend einen Stopp der Umbauarbeiten zu veranlassen, bis eine ausreichende denkmalgerechte Prüfung stattgefunden hat.

Kantine im Abflugbereich

Vorher

Größeres Bild: dsc2496.jpg

Nachher

Größeres Bild: dsc02537.jpg

Büroräume im östlichen Teil

Vorher

Größeres Bild: dscn0267.jpg

Nachher

Größeres Bild: dsc02535.jpg

Gehen Sie am 18. September wählen, wählen Sie was Sie wollen, aber wählen Sie Wowereit ab.