Drei Tage Dauerstress für Tierwelt und Anwohner.

Flughafen Tempelhof: Drei Tage Dauerstress für Tierwelt und Anwohner.

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de: Es ist sinnvoller die
"echte" Pyronale im Olympiastadion/Maifeld zu besuchen. Diese findet seit Jahren statt, ohne dass zu ökologischen Flurschäden kommt.

(Berlin, den 08. Juli) Die Großveranstaltung „Pyromusikale“ wird seit Schließung des Flughafens Tempelhofs mit Plakaten angekündigt, doch nun stellt es sich heraus, dass
für die Veranstaltung offenbar sehr großzügig mit geltendem Recht und Gesetz umgegangen wird.
In einer Pressemitteilung des Naturschutzbund Deutschland Berlin (NABU) ist zu erfahren, das es offensichtlich versäumt wurde zu überprüfen ob die geplante Veranstaltung mit dem Natur- und Artenschutzrecht kollidieren könnte.

Laut NABU: „Auf der Fläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof bedeutet dies, keine Tiere in ihrem Lebensraum und bei ihrem Brutgeschäft zu stören oder gar zu töten.“

NABU sieht Bedrohungen von allen Seiten: „Bei den Mäharbeiten, dem Befahren mit schweren Lkws abseits der Pisten, dem Ausheben von Gruben für die Feuerwerkskörper und dem Feuerwerk an drei Abenden ist mit zahlreichen Zerstörungen von Gelegen und vielen direkten Tötungen bei drei geschützten Vogelarten zu rechnen.“

NABU weiter: „Feldlerche, Neuntöter und Grauammer sind während des geplanten Veranstaltungstermins noch mitten in der Brutsaison und mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt“. Und: „Da die Pyromusikale zu diesem Zeitpunkt nach Auffassung des NABU Berlin mit dem Naturschutzrecht kollidiert, werden die Naturschutzbehörden aufgefordert, die Genehmigung für die Großveranstaltung zu versagen. „Dieser Interessenkonflikt wäre absolut unnötig, wenn sich der Veranstalter rechtzeitig mit den verschiedenen Genehmigungsbehörden und dem Naturschutz in Verbindung gesetzt hätte.“

Auch unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes, besteht wegen der Art der Munition erste Besorgnis beim Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de.
Weiter ist dort man sehr darüber verwundert, welche kurzen Genehmigungswege möglich sind, wenn jemand „Be-Berlin“ in den Himmel schießt, oder Klaus Wowereit eine Gelegenheit zur Selbstinszenierung geben möchte.

Im Zusammenhang des Flughafens Tempelhof gibt es erstaunlich großzügige Ausnahmen, die auf Kosten der Sicherheit und der Anwohner und der Fauna gehen. So soll unter anderem die Bundesautobahn für die Veranstaltung an drei Nächten gesperrt werden. Ein absolutes Novum, denn immerhin ist das Feuerwerk auch vom ebenfalls gesperrten Tempelhofer Damm aus schon gut zu sehen. Die Stadtautobahn bietet zwar einen hervorragen Blick auf das Flugfeld, es ist jedoch sehr fraglich, ob wirklich so viele Zuschauer auf das Vorfeld kommen, das dies gerechtfertigt ist.

Erstaunlich ist deshalb der Fakt, dass die Behörden entweder überhaupt nichts wissen wollen, entweder es käme für sie alles kurzfristig und man könne deshalb nichts dazu sagen, oder sie sie schieben sich bei Nachfragen gegenseitig die Zuständigkeit zu. Immerhin wird die Pyromusikale bereits seit einem halbe Jahr stadtweit auf Plakaten angekündigt.
Der zuständige Stadtrat im Bezirk Tempelhof-Schönberg, der für die Genehmigung des Feuerwerkes zuständig ist, sei laut Auskunft seiner Behörde zwar im Dienst, aber bis zu Beginn des Feuerwerkes nicht erreichbar. Ein Sprecher des Aktionsbündnisses: Sie können anrufen, wen Sie wollen, niemand ist zuständig. Ein besorgter Anwohner, der den Beginn der Mäharbeiten und die Vernichtung der Brutstätten der dort beheimateten Vögel bei der Polizei anzeigte, wurde mit der Begründung abgewiesen, man kenne die Gesetzeslage nicht.

Ein Sprecher des Aktionsbündnisses: Wir gönnen ja jedem Berliner die Freude an einem gelungenen Feuerwerk und wir freuen uns über jeden der den Flughafen Tempelhof besuchen kann. Wir sind aber auch eindeutig der Meinung, dass sich jeder Besucher bewusst sein sollte, das er mit seinem Besuch zum Einen eine äußerst dubiose Genehmigungspraxis der zuständigen Behörden unterstützt und zum Anderen für ein kurzfristiges Vergnügen die Tötung der Tierwelt und der Fauna auf diesem Gelände stillschweigend in Kauf nimmt.

Es ist nach unserer Meinung aber sinnvoller, die "echte" Pyronale im Olympiastadion/Maifeld zu besuchen. Diese findet seit Jahren in einem wesentlich besser geeigneten Umfeld statt, ohne dass es zu ökologischen Flurschäden kommt.

Die Situation deckt sich mit der der Messe "Bread und Butter", für die sehr großzügig Umbaumaßnahmen am denkmalgeschützten Gebäude genehmigt wurden und zum Veranstaltungstermin sogar der komplette Platz der Luftbrücke abgesperrt, wurde.

Im Übrigen zeigt diese Nutzungsstrategie auch am Beispiel des Feuerwerks deutlich: Hier macht sich die Stadt gegenseitig Konkurrenz. Vorhandene Ressourcen werden anderenorts vernichtet und im günstigsten Fall abgezogen. Etliche Messen und diverse andere Veranstaltungen, die bisher an anderen Standorten in Berlin stattfanden, werden nun nach Tempelhof verlagert. Dies feiert Klaus Wowereit vollmundig als großen Erfolg seiner Nachnutzung- und Standort-Politik.

Gehen Sie am 18. September wählen, wählen Sie was Sie wollen, aber wählen Sie Wowereit ab.