Tempelhof musste für neue Flugrouten schließen

Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Schließung des Zentralflughafens Tempelhof am 30. Oktober.

Mit der Schließung von Tempelhof hat der Senat - offenbar bewusst - die Voraussetzungen für die neuen BBI Abflugrouten über Berlin geschaffen. Bei einem Weiterbetrieb von Tempelhof wären die neuen Abflugrouten über Berlin nicht möglich gewesen, dies besagen vertrauliche Informationen, die dem Aktionsbündnis zugespielt wurden.

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de veranstaltet ein Jahr nach der Schließung des Zentralflughafens Tempelhof am 30. Oktober eine Gedenk- und Protestveranstaltung am Platz der Luftbrücke vor dem Flughafengebäude.

Das Aktionsbündnis richtet seinen Protest gegen den Umgang mit dem Flughafen Tempelhof, als einem Ort von weltgeschichtlichem Rang, aber auch gegen das Verhalten des Regierenden Bürgermeisters und seines Rot/Roten Senats. Die offene Missachtung demokratischer Prinzipien durch Klaus Wowereit und seine Senatoren ist eine Schande für Berlin, für die SPD und den demokratische Rechtsstaat.

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich im Bürgerentscheid im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am 7. Juni 2009 68% der Einwohner des Bezirks für den Denkmalgeschützten Erhalt des Flughafens ausgesprochen haben. Ein Votum, das der Senat von Berlin bisher in keiner Weise zur Kenntnis nimmt oder umsetzt.

Nichtsdestotrotz plädieren SPD-Politiker unter anderen Klaus Wowereit für Volksentscheide, die allerdings offenbar nur dann sinnvoll erachtet werden wenn diese 1. weit weg sind, oder 2. in weiter Ferne in der Zukunft liegen.

Michael Paul, Mitinitiator des Aktionsbündnisses be-4-tempelhof.de: „Der Senat setzt stattdessen in Tempelhof und mit dem neuen Großflughafen BBI eine Politik der gezielten Desinformation, Lüge und Verschwendung von Steuermillionen fort, die das Land Berlin absehbar in den Haushaltsbankrott führt“:

„Der Zentralflughafen Tempelhof hat seit seiner Schließung am 30. Oktober 2008 einen direkten Verlust von knapp 100 Millionen Euro erreicht, den der Berliner Steuerzahler nun zahlen muss. Versprochen wurde den Berlinern vor Schließung und zum Volksentscheid 2008, dass die Verluste des Flughafens entfallen würden“, ergänzt Paul.

Jetzt steht fest, die Verluste bleiben bestehen - und eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht. Entlastet ist einzig die Berliner Flughafengesellschaft, die zuvor die hausgemachten "Verluste" selber tragen musste und deren Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wowereit ist. Der geschlossene Flughafen Tempelhof kommt Berlin dagegen unmittelbar und viel teurer zu stehen.

Rechnet man die absehbaren Kosten für Umbauten und Sanierung in Tempelhof, Zwischenausbauten in Tegel, sowie Neubauten in Schönefeld mit hinzu, so erreicht der Schaden schon fast die Milliardengrenze.

Doch nicht nur Tempelhof entwickelt sich zum Milliardengrab. Frank Welskop Autor des Buches „BBI - ein neuer Berliner Bankenskandal?“ zeigt auf, dass auch Klaus Wowereits Prestigeprojekt BBI nicht nur völlig dilettantisch geplant wurde, sondern auch überhaupt keine Chance hat, in absehbarer Zeit wirtschaftlich betrieben zu werden.

Auch die Beteuerungen des Regierenden Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden nichts von den geplanten Flugrouten gewusst zu haben, belegt entweder dessen völlige Unfähigkeit, oder aber das auch hier massive Täuschung vorliegt.

BBI und Flugrouten - Droht Wowereit ein Stuttgart 21 in Berlin?

Die jetzigen Flugrouten, die durch die Deutsche Flugsicherung veröffentlicht wurden, sind den zuständigen Behörden seit 1998 bekannt gewesen. Der BBI wurde allerdings mit anderen Abflugrouten und der daraus folgenden Bürgerbeteiligung geplant und genehmigt.

Den tatsächlich Betroffenen, im Übrigen eine weitaus größere Anzahl, wurde eines der elementarsten Grundrechte, durch einen juristischen Taschenspielertrick verweigert.

Laut dem Senat wurde der Flughafen Tempelhof auch deshalb geschlossen, um die Anwohner von der Gefahr und dem Fluglärm zu entlasten.

Für die Anwohner des Regionalflughafen Tempelhof war „ihr Flughafen“ nie ein Thema, dies belegen die Wahlergebnisse des Volksentscheides 2008 und das Ergebnis eines Bürgerentscheides, in dem sich über 68% der Bürger des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg sich für den beschaulichen und geschichtsträchtigen Flughafen aussprachen.

Nun aber soll ein Vielfaches an Flugverkehr über die Stadt fliegen, vor allem auch über Tempelhof. Boeing 747 und Airbus A380 im Tiefflug, im Minutentakt statt Rosinenbomber - das haben sich wohl selbst die Schließungsbefürworter nicht träumen lassen.

Dem Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de liegen vertrauliche Informationen vor, das Tempelhof auch deshalb schließen musste, damit der Luftraum über im Süden der Stadt und auch über Tempelhof für die jetzt bekannt gewordenen Flugrouten frei wird.

Volker Perplies, vom Aktionsbündnis: „Der Regierende Bürgermeister und der Berliner Senat haben die Berliner beim Flughafen Tempelhof, beim Bau des Großflughafens BBI, bei den Flugrouten und bei vielen anderen Gelegenheiten massiv getäuscht und Schäden in Millionenhöhe verursacht.“

„Statt als Bürgermeister die Interessen der Berlinerinnen und Berliner zu vertreten, setzen er und seine Senatoren neue Maßstäbe in Sachen Arroganz, Inkompetenz und Kungelei“, so Perplies weiter.

Das Aktionsbündnis setzt sich dafür ein, dass der Flughafen Tempelhof in einer heutigen Form erhalten und nicht bebaut wird. Ferner soll er in das UNESCO Welterbe aufgenommen und dauerhaft geschützt und es soll dort z.B. Rosinenbomber, die Regierungsflugstaffel oder Rettungshubschrauber fliegen können.

Die Protestveranstaltung beginnt an 30. Oktober um 17:00 Uhr und endet gegen 22:00 Uhr. Treffpunkt ist der Haupteingang des Flughafens.

Eine Gruppe von Anwohner und Schließungsgegner des Flughafens Tempelhof hat ebenfalls für diesen Tag um 12:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung angemeldet.

Mit einer zeremoniellen Kranzniederlegung wird auf den unwürdigen Umgang mit der historischen Bedeutung des geschichtsträchtigen Flughafens gedacht.

Die Kranzniederlegung soll auch an die Menschen gedenken, die im Einsatz für Berlin während der Luftbrücke ihr Leben lassen mussten, sowie an die Opfern des Nationalsozialismus die in einen Arbeitslager im Flughafen Tempelhof missbraucht und ermordet wurden.

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