Vor 84 Jahren hob die Lufthansa im Tempelhof ab

Vor 84 Jahren hob die Lufthansa im Tempelhof ab, heute ist Tempelhof ein Ramschladen

07.01.2010 (Perplies/Paul) -
Vor 84 Jahren, im Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa AG gegründet, wenig später der erste Linienbetrieb auf dem Flughafen Berlin Tempelhof aufgenommen.
Aktionsbündnis: Vor 84 Jahren hob die Lufthansa im Tempelhof ab, heute ist Tempelhof ein Ramschladen

Vor 84 Jahren, im Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa AG gegründet, wenig später der erste Linienbetrieb auf dem Flughafen Berlin Tempelhof aufgenommen.

Die Deutsche Luft Hansa AG wurde mit der Zusammenschluss des Deutschen Aero Lloyd mit der Junkers Luftverkehr AG am 6. Januar 1926 in Berlin gegründet. Die Flugzeugflotte bestand am Gründungstag aus über 160 Flugzeugen, viele davon ehemalige Militärmaschinen aus dem Ersten Weltkrieg.

Wichtigster Flughafen für die Deutsche Luft Hansa AG war dem Zentralflughafen Berlin-Tempelhof, von wo aus am 6. April 1926 auch der erste planmäßige Flug startete.

Volker Perplies vom Aktionsbündnis ‚be-4-tempelhof.de’ zum Erhalt des Flughafen Tempelhof erinnert in einer Pressemitteilung:

„Vor 84 Jahren, am 6. April 1926, nahm die neu gegründete "Deutsche Luft Hansa A.G." auf dem Flughafen Tempelhof ihren Linienbetrieb auf. Der erste Flug führte über Halle, Erfurt und Stuttgart nach Zürich. In den folgenden Monaten kamen zahlreiche weitere Strecken, u. a. anderem nach Königsberg, Paris und Moskau hinzu.“

Besonderes Aufsehen erregte die weltweit erste Nachtflugstrecke mit Personenbeförderung. Durch riesige Scheinwerfer und Leuchten am Boden wurde die gesamte Flugstrecke für den Piloten markiert. Die Route verlief von Berlin nach Königsberg mit Weiterflug nach Moskau.

Der Flughafen Tempelhof war Zentrum des "Luft Hansa" Streckennetzes, die in Berlin auch ihren Firmensitz hatte.

Der Flughafen Tempelhof war 1923 als erster Verkehrsflughafen der Welt gegründet worden. Zuvor waren die damaligen Flugfelder eher Versuchsfelder für die noch junge Luftfahrtbranche. In Berlin-Johannisthal kreisten ab 1909 die ersten Flugzeuge mit ihren waghalsigen Piloten. Auch dieser Flugplatz wurde nach der Wende leider zugebaut und nichts erinnert mehr an diesem traditionsreichen Ort.

Die heutige "Deutsche Lufthansa AG" mit Sitz in Frankfurt wurde 1953 neu gegründet, und übernahm im Folgejahr den Namen "Lufthansa" und das gelb blaue Kranichlogo. Juristisch gilt sie nicht als Rechtsnachfolger.

Auch die Lufthansa hat Tempelhof längst fallen gelassen. Im Zuge der Schließungsdiskussion hat sich Lufthansa Chef Mayrhuber klar gegen den Erhalt des Flughafens ausgesprochen. Eine Entscheidung die ihm viele Mitarbeiter noch heute übel nehmen.

Michael Paul von dem Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de: „Tempelhof ist ein Flughafen mit einer großartigen Geschichte. Seit der von Bürgermeister Wowereit betriebenen Schließung verkommt der Flughafen allerdings mehr und mehr zu einem Ramschladen. Verzweifelt versucht der rot/rote Senat mit zweifelhaften Nachnutzungskonzepten den Flughafen neues Leben einzuhauchen - mit Millionensummen und bisher äußerst mäßigem Erfolg.

So hat das Musikfeuerwerk „Pyromusikale bereits im ersten Durchgang eine Bruchlandung hingelegt und musste trotz großer Werbekampagne Insolvenz anmelden.

Ein weiterer Mieter, die Bread & Butter führt im Januar die zweite Messe durch. Kritiker und die Opposition werfen dem Senat vor den Flughafen an die Messe verschleudert zu haben, denn der Mietvertrag wurde offenbar im Alleingang von Bürgermeister Wowereit mit der Messegesellschaft ausgekungelt.

Fest steht, dass Berlin für die Messe erst einmal 5 Millionen Euro Steuergelder investiert hat. Nach einem Bericht des Flugmagazins "roger" vom November 2009 kann die Messe demnach für die ersten zwei Jahre mietfrei ihr Domizil in Tempelhof aufschlagen, danach für einen Mietzins von gerade einmal 1,6 Millionen Euro/Jahr. Der Vertrag wurde mit einer Laufzeit von 10 Jahren geschlossen, er ist geheim und selbst der Opposition wird die Einsicht verwehrt.

Michael Paul, Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de: „In der Vergangenheit hat es Bread & Butter selten längere Zeit an einem Ort gehalten: Köln, Berlin, Barcelona, dann wieder Berlin. Auch Tempelhof ist eben nur einmal ein ganz neuer Standort."

Bread und Butter Chef Karl-Heinz Müller 23. Januar 2009 in einem Interview: "Ich wäre beweglich. Ich kann umziehen, von Amsterdam nach Barcelona, von Barcelona nach Athen, von Athen nach Istanbul, das ist der Traum!"

Dann zieht die Bread & Butter Karawane weiter und man kann sehen wie beweglich die Jeansmesse erst sein wird, wenn die mietfreie Zeit vorbei ist.

Gehen Sie am 18. September wählen, wählen Sie was Sie wollen, aber wählen Sie Wowereit ab.